1. Liga
10. Spieltag 29.08.2022
X-Kickers - SONY 0 - 0
Spielbericht von SONY
VON TAFELN UND RIEGELN

Irrsinnig schnell flitzten die roten Figuren hin und her, waren den Helleren stets einen Schritt voraus. Wie von einer (un)sichtbaren Hand gesteuert, besetzten sie die „wichtigen Räume“, standen den Gegenspielern „auf den Socken“ und „verschoben intelligent“ beim „Spiel gegen den Ball“. Die roten Figuren schienen nicht nachzulassen, je länger die Begegnung andauerte. Die roten Figuren waren – aus Sicht von Team SONY: leider – jedoch nur ein paar Magnetknöpfe an einer Taktiktafel der Größe DIN A4, die vor der Begegnung mit Abonnementsmeister X-Kickers auf dem Heizkörper der Kabine 37 ihr Saisondebüt gab.

Doch: „Grau ist alle Theorie, entscheidend is auf’m Platz!“ Der vielleicht weiseste Satz, den mit Adi Preißler je ein Fußballer von sich gab, sollte auch am Abend des 29. August im Cantian fröhliche Urständ feiern. Der Serienmeister zunächst mit 95 Prozent Ballbesitz, aus dem einige Halb-, Dreiviertel- und Siebenachtelchancen resultierten, die roten Figuren hingegen – dieses Mal das reale Team SONY – meist nur mit One-Touch-Kontakt zum runden Leder, um jenes den anrennenden Weißgekleideten in höchster Not vom Fuß zu spitzeln. Ein Catenaccio, der direkt von seinen berühmtesten Verfechtern hätte stammen können, und vielleicht lugten Ex-Inter-Trainerikone Helenio Herrera und „Riegel-Rudi“ Gutendorf sich gegenseitig zuprostend durch die spätabendlichen Altostratuswolken, die das Firmament über dem Jahnsportpark Mitte der ersten Hälfte in betörendes Karminrot tauchten.

Die Torverhinderungstaktik von SONY, nichts Anderes war es schließlich, ging bis zum Pausengetränk auf, ein, zwei Mal wurde es rund ums eigene Gehäuse allerdings ziemlich eng. Doch verhinderte entweder ein Abwehrbein einen Torerfolg oder fuhr der SONY-Schlussmann einen seiner Tentakel aus, um das Leder am vollständigen Überschreiten der Torlinie zu hindern. Und war sich, dem Einsatz seiner Vorderleute folgend, auch nicht zu schade, um kurz vor dem Halbzeitpfiff in krabbelnder Manier eine aussichtsreiche Gelegenheit der Filmschaffenden aus der Kurfürstenstraße zu vereiteln.

Die zweite Spielhälfte: zunächst kein anderes Bild. SONY geriet zu Beginn noch stärker unter Druck als in den ersten 30 Minuten. Das Dunkelrot im Himmel über Berlin war längst verflogen; Dunkelheit schwappte über den Platz hinweg. Doch je länger sich SONY schadlos hielt, desto anfälliger zeigte sich der amtierende Meister für Konter. Und so kamen auch die Rotgewandeten irgendwann zu guten bis sehr guten Chancen, während hinten zweimal Fortuna Patin stand bei einem Lattentreffer sowie einem um Millimeter am Aluminium vorbeistreichenden Kopfball der X-Kickers. Glück für SONY, sicher, doch auch der Klassenprimus pflückte kurz vor Schluss noch vierblättrigen Klee, als der Unparteiische den Tatort nach einem Foul am durchgestarteten SONY-Zehner um einige Meter nach hinten verlegte, um nicht auf den ominösen Punkt zeigen zu müssen.

Ein 0-0 der besseren Sorte, mit dem der Underdog langfristig vermutlich besser wird leben können als der jetzt bereits um fünf Punkte vom Platz an der Sonne distanzierte Dauerchampion. Und eine kleine Revanche für das Erstrundendebakel im Pokal, das SONY nun getrost als Streichergebnis der Saison betrachten darf. Entscheidend is eben auf’m Platz.

Postscriptum: SONY nun vier Spiele ungeschlagen; eine nur durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum zu erklärende Anomalie. Fußballexperten stehen vor einem Rätsel.