2. Liga
13. Spieltag 01.11.2021
Spielbericht von Deutsche Autorennationalmannschaft
Autonama – Berlinomat 2:1 (0:1)

„Schreiben heißt sterben lernen.“ Anlässlich des 100. Geburtstages der großen Ilse Aichinger fand am 1. November 2021 auch ein Medienligaspiel statt. Es bewies einmal mehr, was wir alle längst wissen: Auch dem Kicken wohnt das Sterben inne, man muss es nur zu nehmen wissen. The Strickmuster: Einer ungehörigen Menge an ausgelassenen Autonama-Torchancen in Halbzeit Eins muss zwangsläufig der einzig ordentliche Berlinomat-Konter folgen. 0:1, lange Gesichter, aber keine Schuldzuweisungen, denn man hat das Merkelsche 1-3-2-System ja auch gewählt, um solche Spielsituationen zu e r l e b e n und wegzustecken, ohne sie lang zu analysieren.

Nach der Pause fast das gleiche Bild, Autonama kommt jetzt kaum noch „hinter die Kette“ (Nagelsmann u.a.), wobei die Kette mittlerweile aus fünf bis sechs tief verteidigenden Berlinomaten besteht. Im Torchancenfestival zeichnen sich Ehrmann, Böttcher, Reinartz, Rinke aus, ja, im Grunde haben alle ihr eigenes Chancenfestival am Laufen. In Minute 48 wird – eine Sache der Wahrscheinlichkeit – ein flacher Strahl von Pippo nicht zur Ecke abgefälscht, sondern ins Tor. Ausgleich.

Wolf und Keeper Becker halten auch jetzt alles vom Tor weg, was nach langen Schlägen nicht immer ganz ungefährlich daherkommt. Ballbesitz aber weiter 65-70% bei der Autonama. Eckenfestival geht auch weiter. Dann Gewusel im gegnerischen Strafraum, Ehrmann wird gerissen, Klaus beim Torschuss unsanft geblockt, beides zusammen reicht dem Schiri für einen Neunmeterpfiff. Nun ist aber der Spielball weg. Passanten bieten an, ihren kaputten Ball ausnahmsweise und nur für den Neunmeter zu spenden, Karo steht schon am Punkt und muss sich den ganzen Scheiß anhören. Als der richtige Ball wieder auftaucht wie so'n komischer Stargast, jagt Karo ihn nervenfrei ins linke obere Toreck, 2:1.

In den letzten vier Minuten sagt Verfasser hinterm Tor sein Aichinger-Credo auf: „Wult wäre besser als Welt. Weniger brauchbar, weniger geschickt. Arde wäre besser als Erde. Aber nun ist es so. Normandie heißt Normandie und nicht anders.“ Will sagen: Ein glückliches weil spätes aber verdientes 2:1 ist ein glückliches weil spätes aber verdientes 2:1. Credo hilft. Schlussfigur: Der Berlinomatische Keeper rückt so weit auf, dass Lucas aus vierzig Metern von der rechten Außenbahn auf sein leeres Tor schießen kann. Fünfzehn Männer verfolgen mit dreißig Augen einen Ball. Er prallt gegen den Pfosten und stirbt mit dem Abpfiff.

(Jan "Ilse" Böttcher für Autonama)