2. Liga
12. Spieltag 07.10.2019
Spielbericht von Deutsche Autorennationalmannschaft
Ohne Ausputzer Wolf, ohne Torgarant Afanasjew, ohne Capitano Nussbaumeder. Und dazu auf den Rängen das Finanzamt für Körperschaften I mit "Vorstand raus"-Rufen. Autonama am Abgrund. Ruhig blieb nur der Otto Rehhagel des Autorenfußballs, Frank Willmann. Hummels nachnominieren? "An ihn habe ich nicht gedacht." Stattdessen Willmann mit Wundertaktik, stellt sich selbst auf, doppelt: Willmann an der Seitenlinie, im zentralen Mittelfeld und Rechtsaußen. Aber es sind trojanische Pferde, in den hölzernen Willmanntrikots haben sich Laurenz und Claus versteckt, der eigentlich Martin heißt, was König Frank so sehr verwirrt, dass er Pascal Ojigwe schon mal zum Warmmachen schickt. "Warum ist da Blut an meinem Trikot?", fragt Claus/Martin vor dem Spiel, doch der Coach zu verliebt in seine jugendlichen Spiegelbilder: "Ihr seid nicht nur besser, ihr seid auch schöner." Die vielleicht jüngste Autonama-Startformation aller Zeiten (die 6 Feldspieler zusammen in etwa so alt wie Keeper Merkel) verspricht Spritzigkeit, Einsatz, Tempofußball. Und kann nichts davon halten. 0-2 nach wenigen Minuten. Die medianet-Mediennetzwerker smalltalken sich durchs Mittelfeld und lassen die Autoren achtlos in der Ecke stehen – also eigentlich genau wie beim jährlichen Medienboard-Empfang auf der Berlinale. Anschlusstreffer durch Blut-Willmann Claus, doch schnell 1-3, 1-4. Noch einmal kommen die Autoren ran, Willmann Laurenz mit dem 2-4, aber kurz vor der Pause der Genickschlag: 2-5. medianet siegessicher wie die Armee der Untoten nach dem Planlos-Angriff der Dothraki in der Schlacht von Winterfell. Die Autoren siegessicher wie Autoren, die den Aufbau großer Geschichten kennen und die Gegentore aus Halbzeit 1 als notwendige Plotpoints sehen. Entsprechend folgt: Die Auferstehung des Helden. 3-5 Olsen, 4-5 Claus. Und was sagen wir dem Gott des Todes, Johannes? "Nicht heute", antwortet Ehrya Stark und streicht den Ball nach Hakan-Flanke mit dem Hinterkopf ins Tor: 5-5. Alles nach Drehbuch, alles nach Plan, der Gegner stehend kaputt, und noch eine Viertelstunde für den finalen Schlag, 11 Tore sollt ihr sein. Doch dann wird die Geschichte umgeschrieben, ein – ggf. untoter – Riese bricht durch die Autonama-Festung, 5-6 in der vorletzten Minute. Aber wieso? Das passt doch nicht? Wer hat denn den Scheiß geschrieben? Alle einig: Die letzten Staffeln Medienliga waren besser. Einziger Gewinner des Spiels: Frank Willmann, der sich gleich dreifach in die Torjägerliste eintragen konnte, seinen Klonen noch vor der Kabine die Trikots abnahm und verschwand. "Wenn 2 Willmänner 3 Tore schießen, dann schießen 6 Willmänner 9 Tore" wollen ihn manche im Weggehen nuscheln gehört haben. Andere sahen ihn mit dem weißen Stoff blutige Tränen abwischen. Alle hatten sie recht. Winter is coming.

(Philipp Reinartz, Autonama)