Spielbericht von Deutsche Autorennationalmannschaft

Montag, 04.10.21, verwaschener Spätsommerabend, haubige Atmo auf dem Cantian. Nach einem unbefriedigenden Kick gegen die Racker von RTL soll etwas Besseres gegen den Tabellensiebten passieren.
Stimmung gut.
Ersatzmerkel Reinartz mit einer grundsoliden Auf- und Einstellung: Wolf und Schönsee in der Abwehr, dann Reinartz, Nußbaumeder und Böttcher, dann Rinke. Im Kasten Becker. Sicher spielen.
Gegner Social social läuft mit sieben exakt gleichstaturigen Herren auf. Einer kann gut schießen.
Beginn tastend.
Motivationstrainer Kröchert trifft ein, zusammen mit den Reservisten Valerius und Stichmann die Erkenntnis: Sonderbar stilles Spiel. Was ist da los?
Nach langem Tröpfeln legt sich Der-der-schießen-kann den Ball zurecht und hämmert ihn fantasielos, aber massiv ins rechte obere Eck. Becker chancenlos, 0 : 1.
Wenig Erregung --- zu wenig? Nein, genau richtig, wie sich zeigen wird:
Die Autonama hat sich Sicherheit vorgenommen, und sie bringt sie in gewissem Umfang, und sie arbeitet daran.
Dennoch zunächst wieder die Tabellensiebten mit einem gut vorgetragenen Angriff. Der-der-schießen-kann oder ein identisch wirkender Typ bekommt den Ball auf der linken Seite, welche zuvor klug freigespielt wurde. Diesmal hämmert er den Ball flach ins Netz, genauso massiv, Becker kann nur noch hinter sich greifen: 0 : 2.
In der folgenden Phase kann die Autonama kaum merklich - ohne, dass es dem Gegner überhaupt bewusst wird - Relevanz entwickeln. Eine leichte Spielmittelpunktverlagerung ins gegnerische Feld erkennt nur, wer sehr genau hinsieht. Aber sie passiert.
Die Autonama - straight face all day.
Die Autonama - fast kalt in ihrer Ruhe.
Die Autonama - mit einer angelamerkelhaften Gleichmäßigkeit, in der aber noch Ambitionen lauern.
Die Autonama - eine langsame Maschine.
So langsam wird sie doch sichtbar, die Winner-Philosophie, die heute Abend den Sieg bringen wird: Wenig Stress, wenig Text, viel Konzentration, viel Team.
Nußbaumeder schießt aus der zweiten Reihe und deutet an, wo es hingehen muss: In das Netz des Tabellensiebten. Gegner gehemmt. Böttcher und Schönsee mit gekonnten Absicherungs-Variationen, kleine Akzente hier und da von allen beteiligten Literaturfußballern.
Ja, das Spiel beginnt! --- Halbzeitpause.
Zweite Hälfte. Die Autonama verlagert den Spielmittelpunkt milimeterweise, sie arbeitet mit einem Midlife-Selbstbewusstsein, das auf flotte Tänzchen verzichten kann.
Soll sich der Schießfähige aus dem Gegnerteam ruhig seine Mätzchen leisten und ein bisschen Individual-Ballkunst zeigen --- die Autonama rollt.
Folgerichtig: Tor!
Nußbaumeder hat das Leder anderthalb mal in Rinke gebolzt, bringt den Ball dann aber, am bereits liegenden, zappelnden Tormann vorbei, im Netz unter.
Stimmung gut.
Valerius inzwischen im Spiel, bringt Power auf der linken Seite. Stichmann inzwischen im Spiel, Ball zu Rinke, Rinke wendig: Tor! Der Gegner erholt sich nicht mehr. Die Autonama will, was sie die ganze Zeit wollte, aber jetzt sieht man es auch.
Nußbaumeder, durchgehend energetisch, wird rüde gefault und fliegt über das halbe Feld. Freistoß aus okayer Lage!
Wolf legt sich den Ball hin. Wartet noch, bis Nußbaumeder sich im Fünfmeterraum aufgestellt hat. Bringt einem Bilderbuchball genau in Richtung des Kopfes von Nußbaumeder, und noch während der Ball in der Luft ist, ist klar, was passieren wird:
Kompromissloses Einicken durch Nußbaumeder, 3 : 2.
In der Schlussphase bringt die Autonama die richtige Mischung aus Nicht-ganz-hinten-Reinstellen und Ergebnis-sichern auf den Platz. Der Gegner hektisch, meckert sich nun selbst an, zieht zum Tor, Abpfiff.
Verdient gewonnen!
Winnerphilosophie heute: Stoizismus! Gutes Spiel.

(Andreas Stichmann für Autonama)